VON GABRIELE RENZ
Islamstunden an Grundschulen
Baden-Württemberg startet zwölf Modellprojekte
Vom Sommer an wird es in Baden-Württemberg
islamischen Religionsunterricht an Grundschulen
geben. Das Kabinett gab grünes Licht für zwölf
Versuchsstandorte.

Stuttgart · 15. März · Beamtete Lehrkräfte
moslemischen Glaubens sollen nun zunächst an
zwölf Grundschulen in Kooperation mit örtlichen,
meist sunnitischen Gemeinden zwei Wochenstunden
Unterricht erteilen. Islamischer
Religionsunterricht in öffentlichen Schulen, so
Kultusministerin Annette Schavan (CDU), sei
neben Sprachförderung "der wichtigste Schritt
gegen eine Verfestigung von
Parallelgesellschaften".
"Islamkunde" wie in Nordrhein-Westfalen (NRW)
oder "islamische Unterweisung" wie in Bayern
wollte Schavan nicht. Moslemische Eltern in NRW
seien gerade wegen der Religionsferne des Fachs
vor Gericht gezogen. Der Staat müsse
"bekenntnisorientierten Unterricht" anbieten,
damit er von Eltern angenommen werde und sie
ihre Kinder nicht in Koranschulen schickten.
Schavan sah sich vom Bundesverwaltungsgericht
bestätigt, das entschied, moslemische
Elternverbände oder Gemeinden könnten sich als
Ansprechpartner vor Ort anbieten. Damit war aus
Sicht Schavans das Problem gelöst, dass sich
kein übergeordneter kirchlicher Ansprechpartner
wie im Christentum finden ließ.
In der vom Kultusministerium einberufenen
Steuerungsgruppe saßen Vertreter von Zentralrat
der Muslime, Institut für Islamische Erziehung,
Islamische Gemeinde, Religionsgemeinschaft des
Islam und Alevitengemeinde. Weil sich ihre
Arbeit fast fünf Jahre hinzog, hatten die Grünen
Schavan "Verzögerungstaktik" vorgeworfen.
Die Aleviten haben wie in Bayern, Hessen und NRW
auch im Südwesten eigenständigen
Religionsunterricht beantragt. Das Stuttgarter
Ministerium erwartet dabei "wenig Probleme"; es
komme auf die Eltern als Kooperationspartner an.
http://www.f-r.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?&cnt=647605